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Ein Abend mit Freunden (Köln, Aetherblissement) & If The Kids Are United Fest Vol 2 (Koblenz, Jam Club): (k)ein Live-Bericht

Juni 12, 2011

Genau gelesen: dies ist (k)ein Live-Bericht. Denn auf der einen Seite möchte ich euch gerne die Bands die ich in den letzten zwei Tagen kennengelernt habe vorstellen, auf der anderen Seite bin ich heute aber irgendwie viel zu uninspiriert um eine würdige Umsetzung der Erinnerung ins Verbale fertigzustellen. Damit das ganze aber nicht in Vergessenheit gerät, bekommt ihr hier eine ganze Ladung von legalen kostenlosen Downloadlinks (wenn es welche gibt) und anderen Möglichkeiten zum Probe naschen.

Fangen wir mit Captain, Your Ship Is Sinking, welche eine individuelle Post-Rock/Screamo-Mischung spielen, wo beide Genres nicht getrennt voneinander auftreten (erst ein Post-Rock-Build-Up, dann typische Screamo-Katharsis) sondern sich zu einer atmosphärischen Melange verbinden. Von langsamen, zähen Parts, über schnelle und chaotische, bishin zu sanften ruhigen Stellen ist die instrumentale Sektion so abwechslungsreich wie die Vocals, welche von typischen Schreien, zu gesprochenen oder auch eher tieferen neocrustigen Shouts wechseln. Runterladen kann man sich so ziemlich alles von denen hier.

Wenn man denn dem Link nun gefolgt ist, wird man vielleicht sehen, dass die netten Menschen von eben eine Split mit den ebenso netten Menschen von MIO veröffentlicht haben; eine Split bei der man sein Lyrics-Sheet dank kompetenter Anleitung zu einem Bootchen falten kann. Die Drei von MIO sehen sich laut ihrer Myspace-Seite von 90er Emo/Screamo beeinflusst und sind erst seit kurzem zu dritt. Die zuvor veröffentlichten Aufnahmen fanden noch ohne die seit einem Jahr im Bandgefüge partizipierende Frontfrau Barbara statt. Schlagzeug, Gitarre, Vocals. MIO sind mal wieder ein Beweis, dass man auch ohne Bassisten gute Musik machen kann. Anhören kann man sich das ganze auf ihrer zuvor verlinkten Myspace-Seite oder man lädt sich alternativ einen Song auf Facebook runter.

Sowohl die eben erwähnten MIO, als auch die Herren von Coup d’Etat, welche trotz ihres Namens keine Franzosen sind und mit deutschen Lyrics aufwarten, traten sowohl beim “Abend mit Freunden” im Aetherblissement, als auch auf dem “If The Kids Are United Fest” auf; und beide mal hat sich das zuschauen gelohnt. Coup d’Etat spielen hardcorelastigen Screamo mit zwar teilweise gesellschaftskritisch-interpretierbaren Ansätzen, aber doch eher non-politischen und höchst emotionalen Texten, die direkt ansprechen. Auch sehr ansprechend ist die Tatsache, dass auch diese Band kostenlosen Vorgeschmäcker online stellen, bzw ihr ganzes Mini-Album, was man sich aber auch in drei verschiedenen Versionen (Tape, Vinyl oder niedliche Mini-CD) anschaffen kann. Anhören, gut finden und im Idealfall kaufen.

Eine weitere Band die ebenfalls auf beiden Abenden zu sehen war, sind Willy Fog aus dem Raum Bergkamen/Unna. Leider kamen wir zum “Abend mit Freunden” im Aetherblissement zu spät an und verpassten die Band freitags, konnten dies aber dann am Samstag nachholen. Was sich durchaus lohnte. Leidenschaftlich wurden die Texte aus aller Kehle mitgesungen und es wurde eine Atmosphäre leicht melancholischem Optimismus in den kleinen Club gepfplanzt. Auch wenn man die Band nicht kannte, verließ man den Ort des Geschehens mit einem Lächenln auf den Lippen, sich freuend über die großartige große Portion von authentischem, lebensbejahendem Punk-Rock, den man gerade eben noch serviert bekam. Wer jetzt Lust auf mehr bekommen hat, der kann sich das doch hier einfach mal alles herunterladen. Sehr hübsch gestaltete Website übrigens.

Ebenfalls Punkrock machen Freiburg, allerdings eher auf der politischen und gesellschaftskritischen Ebene. Eine Mischung aus punkigem Indie, Hardcore und Artverwandtem. Auch von der sogenannten “Hamburger Schule” sehen sie sich stark beeinflusst. Viel kann ich zu ihnen leider nicht sagen, da ich nicht dem ganzen Auftritt beiwohnen konnte. Besser man bildet sich seine eigene Meinung mit dieser kostenlosen EP.

Keinen Punkrock dagegen spielen Empty Guns, auch wenn der Name für mich im ersten Moment nach typischem Hardcore klang. Letztendlich entpuppten sie sich dann doch als eine der Überraschungen des Abends für mich. Eine Mischung aus Indie-Rock mit interessanten Glockenspiel und Keyboardeinschüben und einer hübschen Portion Clueso, mit welchem sie sogar mal auf Tour waren. Die Gitarre dabei immer clean, aber nicht immer zahm, das Schlagzeug und der Bass nett und mehr als bloße Begleiterscheinung. Den Sänger fand ich zunächst ein wenig eigenwillig, gefiel mir aber mit der Zeit immer mehr und “eigenwillig” wurde in meinem kopf zu “einzigartig”. Eine Band die dem Abend ein wenig Buntheit verlieh, die ihm zuvor doch ein wenig fehlte. Ein wenig anhören kann man sich das ganze hier und wenn’s gefällt, wird’s dann am besten hier gekauft.

Ebenfalls keinen Punkrock machen Stern fucking Zeit, welche wohl für die meisten an diesem Abend ein Hate-it-or-Love-it waren. Mir haben sie sehr viel Spaß gemacht. Wenn auch an dem Abend als Nintendocore betitelt, fehlen ihnen wohl doch zu sehr die Core-Elemente, um als ein solcher Interpret durchzugehen. Vielmehr haben wir hier 8-bit-Chiptune mit ballernden Beats unterstützt von Geschrei, welcher wohl das einzige Core oder Screamo-Element und somit wohl auch die einzige Verbindung zum Rest des Bands an diesem Abend war. Zur Klangsynthese wurden drei Gameboys der ersten Generation verwendet, was wohl nicht nur mich nostaligsch werden ließ. Zusätzlich zu einem Sequenzer stand auch noch ein für meinen Geschmack etwas zu spärlich eingesetztes MIDI-Keyboard im Raum. Spaß hat’s auf jeden Fall gemacht und war mal was ganz anderes. Die Demo darf hier kostenfrei heruntergeladen werden.

Mikrokosmos²³ (oder auch Mikrokosmos23) machen wiederum ihr ganz eigenes Ding. Natürlich ist es tausendmal mehr Punkrock als z.B. Stern fucking Zeit, allerdings präsentieren die Jungs vielmehr eine wilde Mischung aus Emo, Punk, Anti-Tough-Guy-Hardcore und kleinen Indie-Einschüben. Kurz gesagt, eigentlich die übliche Hamburger Schule à la Matula, Adolar und Co nur halt trotzdem individuell. Den meisten dürften sie ohnehin ein Begriff sein. Wer jetzt immer noch nicht so recht weiß wovon ich spreche, der kann sich hier ihre Selftitled-EP herunterladen. Allerdings sollte man beachten, dass sich die Band inzwischen ziemlich entwickelt hat und sogar noch besser geworden ist. Wem das gefällt, was er dort hört, der kann hier einfach mal einen aktuelleren Song probieren und gleichzeitig in noch ein paar andere tolle Bands reinschnuppern (z.B. die erwähnten Matula und Adolar, oder auch Captain Planet, und, und, und…).

Auch wenn sie eigentlich wohl den meisten bekannt sein mögen, möchte ich zum guten Schluss noch ganz kurz was über Escapado, eine Band, an der sich spätestens seit dem Besetzungswechsel am Mikro, die Geister scheiden. Mal ganz von Vergleichen absehend, macht auch ihr neuer Sänger Felix einen guten Job, wenn auch der typische Escapado-Sound einem leicht hardcorelastigerem Gewand weichen musste. Wem also das neue Album nicht gefällt, der sollte unbedingt in die alten Sachen reinhören. Und wem die dann gefallen, der sollte sich Grand Griffon anhören. Äh… ich bin ein wenig abgedriftet. Auf jeden Fall hier mal reinhören: Link

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