epilog & Misanthrop – Wille und Wahn
Nach Epilogs letztem eher sperrigem und vor allem recht komplex-anspruchsvollem Album „Hermes Gottfenster 2“, ein Konzeptalbum über die beiden, wohl das Leben bestimmenden Pole Liebe und Tod, folgt nun eine Kollaboration mit dem Münchner Misanthrop. Dieser übernahm bei dem „Wille und Wahn“ getauftem Projekt die Komposition sämtlicher Beats und steuerte auch zwei Beiträge als Rapper dazu. Der vorliegende Tonträger, der aus dieser Zusammenarbeit hervorging, ist nun ebenfalls ein Konzeptalbum, welches sich dieses mal mit der Dualität von Rationalität und Irrationalität auseinander setzt, aber dabei wesentlich eingängiger als vorangegangene Werke bleibt. So geht es den Interpreten wohl auch darum, dem „abstrakten Hip Hop eine Struktur zu geben, wieder Kopfnicken einzuhauchen“.
Und so hat sich der Meister Misanthrop daran gemacht vierzehn wunderbare Beats zu bauen, einer gelungener als der andere, allesamt innovativ und einfach einladend sich auf die Texte des Wahl Zürchers Epilog einzulassen. Diese strahlen wie immer nur so vor wunderbaren Metaphern, Kreativität und sind trotzdem nie zu kryptisch um eindeutig ihre Botschaft zu transportieren. Für die, die sich bisher noch nicht mit ihm auseinander gesetzt haben, sei sein unglaublich flexibler Flow erwähnt, der sich irgendwo zwischen Spoken Word, normalem Rap, der dem Normalen entfliehen will und einer Art Sing Sang einpendelt. Und natürlich seine Art und Weise bestimmte Textpassagen mehrmals in variierter Stimmlage zu wiederholen, sodass sie sich beinahe hypnotisch in den Hörer hineinfressen und eine Art Sog entstehen lassen. Zu letzterem trägt aber wohl auch eindeutig die instrumentale Untermalung Misanthrops bei. Seien es nun die leicht verträumten Gitarren von „Kopf oder Zahl“, die mich ein wenig an französische Chansons erinnern (passend zum Part des Franzosen zoën), der eher stampfende Beat von „So einfach“, welcher neben epilog auch von audio88 und Misanthrop berappt wird, oder der fröhliche, auf den leicht ironischen „von Primaten“-Track maßgeschneiderte Beat. Hier passt einfach alles wie die Faust auf’s Auge.
Thematisch erzählt man mal vom von den Kriegserinnerungen heimgesuchten Greis, der seinen Wahnvorstellungen erliegt (Wahn), mal vom Kampf des Verstandes gegen den Arbeitsstundeneinheitsbrei (Wille) und dann davon, wie wenig die Erkenntnis des eigenen triebgesteuerten Verhalten doch nun wirklich nutzt (Wille & Wahn). Letzten Endes bleibt nur noch die wunderschöne Aufmachung zu erwähnen, einen ein Hirn darstellenden Wackelpudding zeigt, welcher genüsslich verzehrt wird. Mjam, Rationalität ade!
- Der gute Wille
- Sing für das Schweigen
- Colours of the World (mit James P Honey)
- Wiederholungsübung
- Arbeitsstundeneinheitsbrei (mit Misanthrop)
- Von Primaten
- So einfach (mit Audio88 und Misanthrop)
- Die Choreografie der schönen Welt
- Kopf oder Zahl (mit zoën)
- Worte vom Wahn (mit babel fishh)
- Lied der einfachen Weisheiten
- What’s about that hope? (mit James Reindeer)
- Tanz der Normalität
- Paradies


wirklich gutes album.bin gespannt,was da noch kommt.vor allem auf son kas.hab gerade n intensives live video entdeckt: http://www.youtube.com/watch?v=zDOpLcVK4HM
„Ab heute ess’ ich nur noch faule Äpfel und picknicke bei Gewitter. Macht man das nicht so?“
falsches Album!
Mir ist bewusst, dass jenes Zitat vom Album “Hermes Gottfenster” ist, ich fand aber, es passt ganz gut zu dem Widerspruch, den du auch in der Rezension ansprichst.
Hm… ich dachte dir sei ebenfalls bewusst, dass er mir durchaus bewusst sein würde, dass es dir bewusst sei.
Aber ich glaube ich verstehe was du meinst. “macht man das nicht so?”