Misanthropen unter sich – Interview mit Misanthrop
Wie in tims Artikel angekündigt hier nun das Interview mit Misanthrop, Themen sind unter anderem der neue “Stern am Hip-Hop-Himmel” postrap, die weitere Planung hinsichtlich Releases und außerdem, woher Armin Menschenfeind seine Ansichten hat.

Hallo Misanthrop, du hast ja kürzlich mit einigen anderen Künstlern ein mit “postrap” betiteltes Label gegründet. Wie kamt ihr zu dem Namen?
Die Haupteinflüsse liegen ja auf der Hand, Postrock, Postmoderne und wie sie alle heißen. Aufgetaucht ist der Begriff bei der Namensgebung für unser neues Kollektiv, weil wir ja mehrere Leute sind, die alle das selbe Problem haben, für ihre Musik immer wieder ein Label finden zu müssen, das sich um Promotion und Vertrieb kümmert.
An den Anfang des neuen Labelprojektes haben wir ein sich über Wochen erstreckendes Brainstorming hinsichtlich der Namensgebung gestellt, bei dem Postrap einer der ersten Vorschläge war, da Cocon und ich vorher schon ein so betiteltes Lied gemacht hatten. Damit wollten wir einfach zeigen, dass wir alle über diesen selbstreferenziellen Rap hinaus sind, dass wir alle bestehenden Teile nehmen und durchmischen können, um etwas neues zu schaffen. Rapmusik ist ja aus verschiedensten Einflüssen entstanden und wir wollen einfach zu diesem Ursprung zurückschauen und Rap einfach wieder als gute Musik begreifen.
Da ja Epilog großer Fan der Postrock-Gruppe 65 Days of Static ist, nun die Frage, ob euch diese Musikrichtung denn mehr als nur beim Namen beeinflusst, also musikalisch?
Mich persönlich nicht, ich habe zwar glaube ich den Namen ins Spiel gebracht, allerdings nur wegen dem Track. Die anderen würden da vielleicht aber anders antworten.
Der Name Cocon lässt sich auf eurer Website unter den Künstlern nicht finden, du hast ihn jedoch gerade erwähnt und beim Münchner Stop der postrap-Tour wird er auch dabei sein. Was ist sein Status?
Cocon ist bislang nicht dabei, wird aber bei dem Konzert ein Set spielen und außerdem mit mir zusammen ein Album herausbringen, für das die Aufnahmen bereits abgeschlossen sind.
Da du gerade noch eins erwähnst, liefen alle diese Kollabo-Projekte (Alben mit Omega Takeshi und Epilog, nun auch mit Cocon) alle parallel oder woher auf ein mal diese Flut?
Von mir werden jetzt langsam viele Kollabos fertig, die seit längerem liefen, so haben Epilog und ich im April 2008 an Wille und Wahn zu arbeiten begonnen, Omega Takeshi und ich wollten schon seit wir uns kennen, seit der Misantropolis-Platte von 2001 was gemeinsam machen. Mit Cocon kommt eben bald Gefahren im Anzug, außerdem mache ich parallel noch etwas mit einem schwedischen Rapper, desweiteren kommt hoffentlich bald eine weitere EP zusammen mit Aqua Luminus III., da kann ich allerdings noch nicht so viel sagen, da wir gerade eine zeitliche Problematik hinsichtlich der Urlaube überwinden müssen.
Dem Release am nähesten ist von den erwähnten Sachen die Platte mit Cocon, der übrigens auch ein bereits fertiges Album namens Staubfänger mit dem Produzenten Playpad Circus (u.a. Beats für Bleubird und Audio88) gemacht hat, das nur noch auf sein Release wartet. Sowohl dieses Album wie auch Gefahren im Anzug erscheint übrigens über postrap.
Ist denn ein zweites Fest Album geplant? Oder liegt das noch zu weit in der Zukunft?
Ich sage jetzt einfach mal ja, aber es kann sein, dass das halt wieder fünf Jahre dauert, wir arbeiten ja alle, haben mehrere Projekte gleichzeitig am Laufen und man muss halt immer Zeit finden, sich zu treffen.
Wird es einen Labelsampler geben?
Ja, Das ganze ist nur eine Frage der Zeit und eine Frage des Aufwands, den wir reinstecken, ob jeder einen Exklusivtrack macht oder ob wir das ganze als eine Art Best-Of nach 10 Releases oder einem halben Jahr machen. Ersteres würde natürlich länger dauern.
Ist von dir auch wieder ein Soloalbum in Planung oder bist du ausgelastet mit den ganzen Kollaborationen? Wobei ja der Ponyhof gar nicht so lange her ist.
Der ist nicht so lange her, ja, aber ich habe schon geplant, relativ bald wieder was aus zu bringen. Dafür sind die Liedideen auch schon gesammelt, die Skizzen auch schon gemacht. Von den mindestens 11 Liedern, die ich mir da vorgestellt habe sind jetzt vier fertig, außerdem mache ich diesmal selber auch ein Video dazu.
Großer Themenwechsel, kurz und schmerzlos also: Bist du ein Kulturpessimist? Der erste Track auf der Leseliste Der Untergang des Abendlandes lässt das ja vermuten.
Schwierig zu sagen, es springt immer zwischen Optimist und Pessimist, wahrscheinlich sehe ich auch nur das Schlechte und kenne zu wenig Leute, die sich für derartige Themen interessieren und dafür, dass eine bestimmte Kultur gepflegt wird., dann wäre also die Schuld bei mir, da ich eben diese Leute nicht finde. Allerdings gewinne ich wirklich den Eindruck, je mehr ich auch herum komme, dass dieses Thema niemanden interessiert, wobei das nun subjektiv sein mag, ich weiß einfach nicht, ob die Leute nun gebildeter sind als in früheren Jahren, das mag auch zwischen den Jahrgängen schwanken.
Unsere ganze Kultur geht ja auch immer weiter, der Abschwung ist wenn, dann schleichend nur. Außerdem wird sich unsere Hochkultur irgendwann einfach verlagern, glaube ich, dass, während uns unsere Kultur nicht mehr so wirklich interessiert, in anderen teilen der Welt einerseits die eigene Kultur behütet und gepflegt wird, es allerdings auch einen Wirtschaftsaufschwung gibt. Ich wäre dann also wie Oswald Spengler ein nationaler bzw. regionaler Kulturpessimist.
Ich glaube nämlich schon, dass es einen Zyklus gibt, in dem Kulturen aufsteigen, den Höhepunkt erreichen und dann wieder vergehen. Das war ja schon bei den Römern so und war auch bei den Chinesen so, welche bis ins 15. Jahrhundert weitaus strahlender waren als der Westen, Schießpulver und Buchdruck viel früher erfunden hatten, dann jedoch durch einige weitreichende falsche Entscheidungen verglüht sind.
Deine Texte wirken meistens sehr durchdacht, manche würden es vielleicht klugscheißerisch nenne, ich nenne es intellektuell. Welche Einflüsse hast du da, welche Denker oder Schriftsteller haben dich neben dem bereits besprochenen Oswald Spengler noch beeinflusst ?
Das ganze kommt aus dem Lateinleistungskurs, nach dem ich mich hauptsächlich mit Philosophiegeschichte beschäftigt habe, angefangen in der Antike bei den Vorsokratikern. Aus der Zeit mitgenommen habe ich hauptsächlich Epikur behalten, dass also das Leben immer seine Waage zwischen Glück und Unglück halten soll. In der modernen Philosophie hat mich eindeutig Karl Popper am meisten beeindruckt, mit dessen Aussagen ich mich immer sehr identifizieren konnte.
Ich habe immer versucht und versuche immer noch, möglichst viele Epochen und Bewegungen zumindest anzureißen, herausgestochen haben da aber auf jeden Fall Thomas Mann und Franz Kafka, jedoch vermeide ich es, zu sehr in die Tiefe zu gehen, da man sonst halt gar nicht mehr aus diesem Graben herauskommt und nur noch auf diesen einen Autoren fokussiert ist.
Gut, ich sehe, dass bald der Akku des Diktiergeräts die Grätsche macht, ich würde also sagen, dass wir das Interview jetzt beenden. Danke dafür, hat mich sehr gefreut, dass das so zustande kam.

Sehr informative Interview. Habe einiges erfahren, was ich schon länger wissen wollte. :)
Und hoffentlich hält das Diktiergerät beim nächsten mal länger! :0
Der Akku lag schon einige Zeit rum, nächstes mal lade ich ihn extra auf und das Gerät läuft, und läuft, und läuft.
Ich schließe mich tim4tw an, sehr informatives Interview über DAS Deutschrap-Label/Kollektiv derzeit.
Was mich u.a. noch interessiert hätte, wie bei postrap die Strukturen aussehen und ob es eine bestimmte Hierarchie überhaupt gibt. Beim nächsten mal dann.
Kann mich meinen Vorrednern ebenfalls nur anschließen; ein sehr interessantes und informatives Interview.
Das einzige was ich zur Hierarchie sagen kann, ist dass Misanthrop für die Bestellungen innerhalb Deutschlands zuständig ist. Also geht hin und bestellt unter misantropolis[at]gmail.com sofort irgendetwas! Am besten alles was da ist!